~ Seemannssprache

matrosenhemd  von A – Z

Am 21. Februar ist der Internationale Tag der Muttersprache, den die UNESCO seit 2000 jährlich ausgerufen hat und an diesem Tag gefeiert wird. Laut UNESCO ist von den heutzutage weltweit 6.000 gesprochenen Sprachen die Hälfte davon bedroht, verloren zu gehen. Zur Förderung der sprachlichen Vielfalt legte die UNESCO 2012 ihren Schwerpunkt auf muttersprachlichen Unterricht.

Aus diesem Grund gibt es hier bei eauemi eine Serie mit zur Seemannssprache. Denn auch viele nautische Begriffe als dem Leben der Seeleute verschwinden oder sind so in unseren Sprachgebrauch übergegangen, daß wir eventuell schon gar nicht mehr wissen,
woher manche Worte stammen. Los geht es mit A und B

A

Abbacken – Tisch nach der Back, einer Mahlzeit abräumen
achtern – hinten
Achterleine – Leine, die das Boot achtern hält
Achterliek – Kante des Segels, nach achtern
Achterstag – stehendes Gut, hält Mast von achtern
Ahoi –  »Hallo« als seemännischer Anruf eines Schiffs, dem Namen des Angerufenen angehängt. Ansonsten »Schiff Ahoi!«, von englisch »A hoy«. Eine Hoy war ein einmastiger englischer Küstensegler mit großem Sprietsegel. Heute wird Ahoi in der Seefahrt kaum noch verwendet.
Altgefahren – erfahrener Seemann
Altweiberknoten – schlechter Seemannsknoten
Amwindkurs – Kurs, bei dem man so nah wie möglich am Wind segelt
anheuern – mieten aus dem Niederdeutschen huren, englisch hire
Anker lichten – Anker hochholen
Anlaufen – Hafen ansteuern
anluven – in den Wind drehen
Äquatortaufe – seemännischer Ritterschlag für junge Seeleute
Aufbacken – Essen, Geschirr und Besteck auf den Tisch, die Back bringen
Aufkimmen – Übergang vom Schiffsboden in die Bordwand
Aufkommen – Reduzieren der Ruderlage nach Einleitung der Drehung
Aufpalmen – sich als Seemann an Tau Hand über Hand fortziehen, ohne Fußeinsatz
Aufschießer – Stoppen des Bootes durch Drehen in den Wind
Auftuchen – Falten des Segels auf dem Baum
Auf und nieder – senkrecht, lotrecht
Auge – Leine oder Tau bildet einen Ring/Auge
Aus dem Ruder laufen – aus dem Kurs laufen
ausklamüsern – etwas herausfinden oder untersuchen
auslugen – genau nachsehen, im Auslug sitzen, scharf ausschauen
Ausreiten – durch Hinauslehnen nach Luv hält man das Boot bei starkem Wind aufrecht. Notwendig bei kenterbaren Booten wie z.B. Jollen, im Boden gibt es für die Füße Schlaufen.
Außenborder – am Heck des Bootes befestigter Motor ohne feste Verbindung mit Boot
Aye, Aye – jawohl, oft mit einem Handzeichen (Klarzeigen) verbunden

B

Babbeljahn – Wachgang des Jungen, kurze Tabakspfeife
Bach – See: Ein Matrose fällt nicht in die See, sondern in den »Bach«
Back – wenn der Wind von der falschen Seite bläst, steht ein Segel back
Backbord – Links, auf die Fahrtrichtung des Schiffes bezogen, in Richtung zum Vorsteven (vorderer Abschluß eines Schiffs) linke Schiffsseite, d.h. alles was sich auf der linken Hälfte der Mittellängsebene eines Schiffs befindet
Backschaft – Küchendienst
Backskiste – Stauraum im Cockpit
Badegast – freundlich (leicht abwertende) Bezeichnung für einen Gast an Bord, der keinerlei seemännische Erfahrung besitzt und nur zu seinem Vergnügen mitsegelt
Bändsel – kurzes Tau (auch Zeising), zum Verzurren von Ausrüstungsgegenständen
baff – verblüfft sein
Bake – Sichtzeichen an Land
Bangbüx – Angsthase
Baum – vom Mast abgehende Stange am Unterliek des Großsegels
Baumniederholer –Talje, hält den Baum unten, Baum kann damit getrimmt werden
Beaufort-Skala – Tabelle der Windgeschwindigkeit (0 bis 12 Stärken)
bekleedet – umwickelt
belegen – Befestigen eines Taus an einer Klampe oder Klemme
betüttert – beschwipst
Bilge – Tiefster Raum im Rumpf, dort sammelt sich Kondenswasser oder eindringendes Wasser
Blanker Hans – die drohende Nordsee, wenn eine Sturmflut droht (Ausruf : Der blanke Hans kommt !)
Bläusch – Feuer Fackel
Block – Rolle mit Gehäuse
– Kräftiger Windstoß
Boje – auf Grund befestigter Schwimmkörper z.B. zum Festmachen oder zur Markierung der Fahrrinnen
Bootshaken – Längere Stange mit Haken, mit ihr kann man Taue oder Dinge die man mit Hand nicht erreichen kann heranziehen. Ein wichtiges Gerät, wird bei »Mann über Bord«!
Box – Liegeplatz im Hafen, mit Steg, Pollern, und evtl. Versorgung mit Wasser und Strom
Brackwasser See- und Boddenwasser an Flussmündungen, Gemisch aus Süß- und Salzwasser. Meere mit geringeren Salzwassergehalt als Ozeane heißen Brackwassermeere. B. ist salzig, schlammig, verdorben, nicht genießbar. Auf langen Fahrten wird Wasser auch brack.
Brüllende Vierziger – Regionen der Westwinddrift zwischen 40 und 50 Grad Süd, mit vorherrschenden langanhaltenden Weststürmen, je nachdem sorgen diese für riskante oder auch schnelle Reisen
Bucht – ein haarnadelförmige Öffnung in einer Leine, Ausgangsstadium für diverse Knoten
Buddel – Flasche
Bug –  vorderer Teil des Schiffes
Buhne – senkrecht zum Ufer ins Wasser ragende Wand
Bullenstander – Sicherungsleine von der Baumnock (hinteres Ende des Baumes) nach vorne, um das Übergehen des Baumes bei einer Patenthalse zu verhindern
Bultsack – alter Begriff für Seemannsmatratze
Buten – bi uten (außerhalb gelegen)

—  (Liste aktualisiert und ergänzt am 13.4.2017)

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